Ein Sofa namens Conseta

Name: Conseta
Geboren: 1964
Geburtsort: Rheda-Wiedenbrück
Vater: Friedrich-Wilhelm Möller, Lemgo
Mutter: Cor, Rheda-Wiedenbrück

Neu seit 1964 heißt es auf der Internetseite des Möbelherstellers Cor – und meint Conseta, den Evergreen der Marke, der 2014 seinen 50. Geburtstag feierte. Das allein ist schon ungewöhnlich, haben doch Polstermöbel derzeit eine maximale Verweildauer von zehn bis 15 Jahren in den Kollektionen der meisten Hersteller. Was länger überlebt, scheint ein Klassiker zu sein. Und doch ist Conseta anders.

Conseta erblickte das Licht der Welt, als es 1964 auf der Kölner Möbelmesse einem großen Fachpublikum vorgestellt wurde. Aber niemand wollte es haben. Zu innovativ schien das Baby des später hochdotieren Möbeldesigners Friedrich-Wilhelm Möller. Als Handelsvertreter für Cor und Interlübke hatte er sich seit langem mit den Bedürfnissen der Kunden auseinandergesetzt. Ihm war bewusst, dass aufgrund wechselnder Wohnraumsituationen flexible Möbel benötigen würden, um sie verschiedenen Lebensräumen anzupassen.
Doch die Fachwelt sah das zunächst anders. Zu erklärungsbedürftig schien das Konzept eines modularen Sitzmöbels: Ein Polstermöbelsystem, das sich ganz nach persönlichen Vorstellungen und wohnlichen Gegebenheiten zu Zwei- und Dreisitzern konfigurieren ließ und mit Sessel oder Hocker viele weitere Möglichkeiten der Wohnraumgestaltung zuließ.
So brauchte es einige Zeit, bis Handel und Käufer die vielschichtigen Möglichkeiten des Systems erkannten und Conseta sich nicht nur als cleveres, sondern auch als ein enorm erfolgreiches Sitzmöbel entpuppte.
Im Gegensatz zu vielen Designklassikern, die ihren einmal gefundenen Formen bis heute treu blieben, hat sich Conseta im Laufe der folgenden Jahrzehnte den sich ändernden Zeitströmungen angepasst. Handelte es sich anfangs noch um ein starres und festes Polstersystem auf markanten Kufen, wandelte es sich in den siebziger Jahren zu einem Möbel mit bunten Bezügen, einem weicheren Kern und geraden Füßen. In den achtziger Jahren wurden die Armlehnen höher, die Beine massiver und die Rückenlehne bekam eine Hochlehnvariante. In den Neunzigern kamen Eckteile hinzu und Conseta wurde rundlich. Waren die einzelnen Elemente Anfang der 2000er noch bodennah, steht Conseta nun wieder auf grazilen Kufen – nur eben moderner.
Bis heute wurden weit über 750.000 Elemente ausschließlich in der Region gefertigt und das Sofa „Made in Rheda-Wiedenbrück“ gehört als moderner Klassiker zu den Meilensteinen der jüngeren Designgeschichte.
Das Besondere daran: Conseta veränderte sich zwar kontinuierlich im Detail, blieb aber seine eigentlichen Linie bis heute treu. Man könnte meinen, es unterwarf sich im Laufe seines Lebens der einen oder anderen modischen Diktatur, unterzog sich hier und da ein paar Liftings, nur um sich – quasi als Best-Ager – zu seinem 50. Geburtstag so jung, dynamisch und flexibel wie noch nie zu präsentieren.

Frage: Drückt der Möbelklassiker die Formensprache des typisch ostwestfälischen Designs aus?

Der Versuch einer Annäherung an das regionale Design
(…)

weiter: Faktor3_Nr_6_COR_Birgit

aus: Faktor3, Ausgabe 6, veröffentlicht; November 2014

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