Von dem Glück, George Kochbeck zu sein

Head Kochbeck

Wer sich für die heimische Musikszene interessiert, kommt an dem Namen eines Keyboarders nicht vorbei. In irgendeiner Geschichte taucht er immer auf. Da erzählt der frühere Konzertmacher Josef Honcia, dass er mit dem jungen George im legendären Jugendzentrum „Klo“ am liebsten die „Sesame Street“ schaute, als es eine deutsche Fassung noch gar nicht gab. Von Achim Meier, längst selbst einer der größten Konzertpianisten im deutschsprachigen Raum erfährt man, dass er bereits als Kind bei Kochbeck Unterricht nahm. Nobby Morkes weiß noch genau, wie er den damals 17-jährigen mit dessen Band „Bally Hoo“ als Vorgruppe der „Manfred Man’s Earthband“ für ein Konzert verpflichtete. Wieder andere erinnern sich an den allerersten Auftritt des Schülers im früheren Katholischen Vereinshaus – dort, wo heute das Gütersloher Brauhaus täglich seine Pforten öffnet. Und ich selbst weiß noch genau, dass ich ihn in gefühlt jeder deutschen Musiksendung der 80er Jahre sah.
George Kochbeck trifft man in Gütersloh seit Jahrzehnten. Er scheint überall gegenwärtig und wohnt doch schon lange nicht mehr hier – aber wo ist er jetzt?

Der Weg zu Kochbeck führt in ein Tal mit langgestreckten Hügelketten, Wiesen und Feldern, vorbei an Bauernhöfen, Wäldern und kleinen Dörfern. Hierhin, in die Nähe des Steinhuder Meeres, irgendwo zwischen Bückeburg und Hannover hat er sich zurückgezogen. Aber ist „zurückgezogen“ das richtige Wort? Zumindest findet man ihn nicht so schnell. Ebenso in der virtuellen Welt. Nur eine eigene Homepage erzählt von Mann samt Studio. Ein Wikipedia-Eintrag? Fehlanzeige. Auch im deutschen Rocklexikon fehlt jegliche Spur. Was ist da los? „Man könnte meinen, es gäbe mich genauso wenig wie Bielefeld in der berühmten Verschwörungs-Satire“, lacht Kochbeck, als wir uns im Garten seines Hauses an den riesigen Tisch setzen. Nun ja, er sitzt drauf, ich sitze dran. Mit einem Becher Kaffee in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand erzählt er von einer Event-Einladung, die Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe mal an seine Gäste sandte und darin die auftretenden Musiker beschrieb. Zu Kochbeck war zu lesen: „One of the most wellkown keyboard players from europe without any wikipedia entry.“ Warum das so ist, weiß Kochbeck eigentlich auch nicht so genau. Niemand hat sich bisher die Mühe gemacht, ihm einen Eintrag zu widmen. Und er selbst? Nö, das solle schon jemand anderes machen.
Dass das so ist, erstaunt, zählt der heute 59-jährige doch zu den bekanntesten und gefragtesten Filmmusikern und wurde bereits 1990 zum beliebtesten Keyboarder Deutschlands gewählt.

weiter lesen: Faktor3_Nr_6_Kochbeck_Birgit
aus: Faktor3, Ausgabe 6

Fotograf: Detlef Güthenke, Text: Birgit Compin

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