Zwischen Schlager und Weltmusik

Seit Jahren reist der Livemusiker Achim Meier mit internationalen Bands um die Welt. Und auch in Deutschland hat sich der Pianist und Keyboard-Spieler als Bandmitglied der erfolgreichsten Schlager-Ikonen einen exzellenten Namen gemacht.

Achim Meier Klavier

„Als Keyboarder und Pianist ist man besonders mit den Sängern verwachsen. Du musst sie ja immer begleiten und bist quasi ihre rechte Hand. Du bist der, der die Musik tragen muss. Denn wenn das Orchester nicht da ist, ist es der Job eines Keyboarders dessen Aufgabe zu übernehmen. Und das ist mein Job.

Lange dauert es nicht mehr, dann ist es bereits vierzig Jahre her, dass Achim Meier als 13 jähriger erstmals öffentlich in die Tasten eines Keyboards haute. Es muss so um 1975 gewesen sein, als er mit der Cover-Band Corpus D. durch die Tanzpaläste der Region zog und das Publikum mit Songs von Rory Gallagher und Edgar Winter aufmischte. Einige Zeit später tourte der mittlerweile ausgebildete Bäcker mit Gerry Spooner und den Brachmann-Brüdern durch die englische Kasernenlandschaft Westdeutschlands, um mit ihrer Band Steel Bread die stationierten Soldaten bei Laune zu halten. Die passenden Töne brachte ihm derweil der Gütersloher Keyboarder George Kochbeck bei, der selbst seit den frühen Achtzigern eine ordentliche Karriere hingelegt hat. Und auch weit über die Stadt und Landesgrenzen hinaus ist viel passiert, im Leben des Studio- und Livemusikers Achim Meier. Der heute 51 jährige Gütersloher trat mit Acts wie Grobschnitt, Juliane Werding und Patricia Kaas auf und ist regelmäßig auf den Tracks der H Blockx zu hören. Mit dem Schweizer Stephan Eicher, der ehemaligen Hälfte der Neuen Deutschen Welle Popband Grauzone tourte er mehrmals um den Erdball. Doch den früheren Erfolgshit „Eisbär“ ließ man hier geflissentlich beiseite und performte lieber Weltmusik. Die wiederum führte ihn zum legendären Jazzfestival in Montreux, bei dem Meier an der für Kenner berühmt berüchtigten Hammond B3 brillierte und die Jazzlegende Herbie Hancock höchstpersönlich den Kollegen mit dem Satz: „Great Organ-Player!“ adelte.

Ja, und sogar Meiers Baby, die Gütersloher Formation smALL Stars, hat bereits ein ordentliches Alter erreicht, denn die Band, die sich nur für eine kleine Konzertreihe einmal im Jahr zusammenfindet, feiert in diesem Winter ihr 20 jähriges Bestehen. Und als ob diese Karriere nicht schon beachtlich genug wäre, legte Meier noch eine Schippe drauf und trat mit Marianne Rosenberg und Albano und Romina Power auf. Er ist seit 2008 festes Tour-Mitglied der Band um Howard Carpendale und bereist gemeinsam mit Helene Fischer seit drei Jahren die größten Konzertsäle des deutschsprachigen Raums.

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Rock, Pop, Chanson, Weltmusik und deutscher Schlager – egal welche „Spielart“ von Meier bedient wird, er beherrscht sie alle. Doch wie kam diese Vielfalt zu Stande und was musste passieren, um aus einem 13 jährigen Freizeit-Keyboarder einen der gefragtesten Konzertpianisten Deutschlands zu formen.

Die Frankreich-Connection

Den Anfang der Meierschen Profi-Karriere machte Ende der siebziger Jahre die deutsche Band Grobschnitt. Die fragte bei einem Händler an, wer einen für damalige Verhältnisse so ungewöhnlichen Synthesizer Oberheim OB XA gekauft habe. Und Meier hatte gerade. Die Maschine war nicht einfach zu spielen und ihr Sound wurde gerade durch Jean Michel Jarres Synthie-Pop-Album „Oxigéne“ populär. Meier hingegen beherrschte die Töne und ab sofort tourte der Gütersloher mit der Rockband durch Deutschland.

„Und wenn du da einmal drin bist, spricht sich das sehr schnell herum“, so Meier. Und er war drin. Es folgten Studio- und Tour-Anfragen damaliger Pop-Größen wie Juliane Werding und den italienischen Chartstürmern Albano und Romina Power. „Bei so einem Einstieg rufen dann immer mehr Künstler an, so kam ich irgendwann auch zu Patricia Kaas und Stephan Eicher.“ Der Ex Grauzone-Sänger hatte gerade in Frankreich einen riesen Hit mit „Déjeuner En Paix“ und stellte nun die Band für die Tour zusammen. Und die Setliste liest sich heute noch wie ein Who is Who der damaligen Branche. So war der mit italienischen Wurzeln ausgestattete Waliser Bassist Pino Paladino bereits Studiomusiker von Phil Collins, Elton John und David Gilmore und sprang später für den gerade verstorbenen John Entwistle bei The Who ein. Und auch der französische Schlagzeuger Manu Katché erntete zuvor Lorbeeren mit Auftritten bei Sting und Peter Gabriel.
„Wir tourten in einer Besetzung, die einen Gütersloher Bäcker schon sehr stolz machen kann. Das war für mich eine unglaubliche Chance.“ 

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Veröffentlicht in : Faktor3, Ausgabe 3, April 2013

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