Der unbequeme Freigeist

INHALT Markstedt

 

Wenn man, wie ich, jahrelang fern der Heimat wohnte und irgendwann dorthin zurückkehrt, findet man sie quasi an jeder Straßenecke, unter jedem Stein und bei jedem Glas Wein: Geschichten von Menschen und Begebenheiten, im Laufe der Zeit herrlich durchtränkt von uferlos wuchernden Gerüchten und hier und da versetzt mit nebulös in weite Ferne getauchten Tatsachen und jeder Menge verbrieftem Hörensagen. Ein schier herrliches Gesöff und Süchtigmacher für jeden Alt-, Neu- und Wieder-Gütersloher. Wen schert’s, dass oftmals nicht einmal der Erzähler selbst weiß, Zeit, Ort und Handlung chronologisch einzuordnen oder gar objektiv wiederzugeben. Die unablässig mutierte Geschichte allein ist’s, die Zuhörer und Erzähler in ihren Bann schlägt.

Eine der bemerkenswertesten Personen, von denen ich seit meiner Rückkehr gehört habe ist Matthias Markstedt. Einen Mann, über den es viele schillernde Geschichten zu berichten gibt: Von seiner quasi feindlichen Übernahme des Kulturzentrums Weberei, die letztendlich abgewehrt wurde, von dem unbequemen Grünen, der zum Jobvernichter mutierte und von dem Kapitalisten, der mit einem Solar-Unternehmen ein Vermögen machte und nun als selbsternannter Bademeister im Wapelbad rumsitzt und dem lieben Gott den Tag stiehlt.

Wer also ist der Mann, der in seiner Heimatstadt überall aneckt und wie wohl kein anderer die Gemeinschaft polarisiert. Ist er ein Chaot? Ein immer währender Querulant, Egomane und Zyniker, ein ewig Widerspenstiger oder ist er nur schlicht und einfach unbeugsam und unangepasst. Es ist an der Zeit, den Herrn der die Gemüter erhitzt, einmal kennen zu lernen und seine Version zu erfahren.

“Ich könnte jetzt meine Kreditkarte rausnehmen und fragen, wo willst du noch hinfahren. Aber ich war doch schon überall.”

An einem der letzten warmen Tage des Jahres finde ich den Bademeister dort, wo ihn jeder Gütersloher bei einer solchen Wetterlage vermutet, im Wapelbad. Das lässt den Schluss zu, dass der Herr der Anlage nicht gerade auf mich gewartet hätte. Er ist ja immer da. Täglich ab 17 Uhr bis zum Sonnenuntergang. Und während der Veranstaltungen natürlich auch früher – und vor allem länger. Doch der erste Vereinsvorsitzende des Fördervereins Wapelbad hatte mich erwartet und neben der täglichen Organisation der Anlage genügend Zeit eingeplant, um sich mit mir zu unterhalten.

weiter: faktor3_Der unbequeme Freigeist

Veröffentlicht in : Faktor3, Ausgabe 2, Oktober 2012

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s