Modedesignerin Annette Görtz – Mit Herz, Verstand und kreativem Eigensinn

Die Mode von Annette Görtz steht seit 25 Jahren für Klarheit und Understatement und ist mittlerweile an über 500 weltweiten Verkaufspunkten präsent. Mit ihrem Mix aus komfortabler Gelassenheit, sinnlicher Eleganz und raffinierter Schnittführung hat sich die Designerin sehr erfolgreich etabliert. Herz des Unternehmens ist der 1998 entstandene Firmenhauptsitz in Gütersloh sowie der 400 Quadratmeter große Showroom in Düsseldorf.

Im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft wurde Annette Görtz von den veranstaltenden Ländern Polen und Ukraine als Deutschlands Mode-Botschafterin ausgewählt und präsentiert in den kommenden Wochen ihre Sommerkollektion 2013 überwiegend in den Veranstalterländern.
GT-INFO traf die Designerin kurz vor ihrem Abflug zur Fashionweek in Kiew.

Frau Görtz, Ihr Label steht für puristische und klare Schnitte. Besonders die Non-Colours sind charakteristische Merkmale Ihrer Kreationen. Ihre Mode setzt also besonders in diesem extrem bunten Modejahr einen fast schon exzentrisch wirkenden Kontrapunkt. Ist das eine persönliche Einstellung oder Marketing-Strategie?
Das ist schon eine persönliche Einstellung und auch Lebensphilosophie. Ich habe heute das Privileg, nur das auszuwählen, was mir gefällt. Unsere Kollektionen verstehen sich als Gesamtkonzept und beinhalten neben der Kleidung auch Taschen, Schuhe und vieles mehr. Da kann eine Farbe schnell mal too much sein. Allerdings haben wir in der kommenden Saison 2013 erstmalig kräftige Farben, vor allem im Accessoirebereich integriert. Grundsätzlich finde ich schade, dass die vielen Kollektionen, die auf dem Markt sind, sich immer mehr angleichen, da alle versuchen die angeblichen Trends zu erfüllen. Es ist mir daher ein persönliches Bedürfnis einen Kontrapunkt zu setzen und den eigenen Stil zu pflegen.

Welche anderen Designer-Label tragen Sie selbst zu ihrer Mode?
Jil Sander und Yamamoto sind Designer, die ich sehr gerne trage. Und das nicht nur, weil sie nach wie vor eigenständige und erkennbare Labels sind und nicht mit den Trends mitschwimmen.

Wenn also keine farblichen Experimente in 2012, was macht Ihre aktuelle Kollektion aus?
Unsere Sommerkollektion ist in diesem Jahr extrem lässig gehalten, die Schnitte sind sehr weich umgesetzt. In Zusammenhang mit den stofflichen Experimenten, wie geschnittene Waren, verschiedenste Treatments und Finishings stellt auch das Motto der Kollektion „Art in Fashion“ einen Mehrwert dar. Neben den handapplizierten Siebdrucken auf Seidenblusen und Basics, haben wir eine völlig neue Drucktechnik angewandt in der das Motiv nicht nur den Stoff verziert, sondern diesen in seiner Struktur und Haptik verändert. Für die nächste Sommerkollektion 2013 ist ein weiteres Art in Fashion Projekt geplant, dass seinen Ursprung in Kiew hat. Die von uns geförderte Akademie der Künste für Kinder hat uns vorab Entwürfe geschickt, die ich im Original in Kiew sichten werde und die wir als Print in die nächste Kollektion integrieren. Die Zusammenarbeit mit Künstlern ist eine neue Herausforderung. Die Zeichnungen der 6-8 jährigen haben mich sehr beeindruckt und ich bin gespannt auf die Originale.

Gab es Designer, die Sie zu Beginn Ihrer Karriere inspirierten oder Vorbild waren?
Inspiriert war ich nie von Designern, sondern von den Materialien. Wenn ich mich allerdings damals nicht selbstständig gemacht hätte, hätte ich gerne bei Jil Sander gearbeitet.

Gibt es heute Kollegen, die Sie bewundern?
Haider Ackermann hat eine ganz subtile Art, Farben miteinander zu kombinieren. Das ist nicht knallig und bunt, sondern hohe Kunst. Davor ziehe ich den Hut. Er hat eine ganz neue Art, Mode zu machen und ich bewundere es, wenn jemand seinen Stil konsequent durchzieht. Das gilt aber auch für viele junge Berliner Designer.

In den vergangen Jahren haben Sie stetig und gezielt expandiert. Wie sieht die Zukunft aus?
Wir sind nach wie vor International sehr gut aufgestellt. Die Ukraine ist allerdings ein sehr spannendes Gebiet für uns, vor allem, weil es dort viele kreative Köpfe gibt. Um all diese Inputs und auch die des kreativen Berlins viel mehr als bisher nutzen zu können, werden wir uns in Zukunft sicherlich mehr in der Hauptstadt aufhalten.

Gibt es etwas, das Sie nach 25 Jahren noch nicht erreicht haben?
Ich habe mehr erreicht, als ich mir im Studium jemals hätte vorstellen können.

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